
Acht Jahrhunderte
Die Siebenbürger Sachsen und ihre Dörfer
Rund um Mediasch stehen Dörfer, deren Kirchen aussehen wie kleine Festungen. Sie sind das sichtbarste, was von achthundert Jahren sächsischer Besiedlung geblieben ist — und der Grund, warum diese Landschaft anders aussieht als jede andere in Rumänien.
Wer kam, und warum
Im 12. Jahrhundert rief der ungarische König Géza II. (1141–1161) deutsche Siedler in den Karpatenbogen. Sie kamen überwiegend aus dem Raum Rhein, Mosel und Luxemburg — nicht, wie der Name nahelegt, aus Sachsen. „Sachsen“ war eine Sammelbezeichnung der ungarischen Kanzlei für deutschsprachige Siedler mit besonderen Rechten.
Sie bekamen Land, Selbstverwaltung und eigene Gerichtsbarkeit — im Gegenzug für die Verteidigung der Südgrenze des Königreichs. Aus diesem Handel entstand alles Weitere: die Städte, die Zünfte, und vor allem die Kirchenburgen.
Warum die Kirchen Mauern bekamen
Ab 1395 begannen viele Dorfgemeinschaften, ihre Kirchen zu befestigen. Auslöser war der erste türkische Einfall. In den folgenden zwei Jahrhunderten entstand daraus die Kirchenburgenlandschaft Südsiebenbürgens, die in weiten Teilen bis heute erhalten ist.
Die Logik dahinter ist einfach und ungewöhnlich zugleich: Ein Dorf konnte sich keine Burg leisten, aber es hatte eine Kirche — meist auf der höchsten Stelle, meist aus Stein. Also wurde die Kirche zur Burg. Ringmauern, Wehrtürme, Speicherkammern für Getreide und Speck. Wer angegriffen wurde, zog sich mit dem gesamten Dorf hinter diese Mauern zurück.

In Reichweite von Mediasch
Drei Dörfer, drei Zustände
Birthälm — UNESCO
Die bekannteste Kirchenburg der Region, dreifacher Mauerring. Jahrhundertelang Sitz der sächsischen Bischöfe. Gut besucht — frühmorgens ist es am ruhigsten.
Wurmloch — UNESCO, aber still
Ebenfalls Welterbe, direkt neben Mediasch, und deutlich weniger besucht als Birthälm. Wer beides an einem Tag sieht, versteht den Unterschied zwischen Denkmal und Dorf.
Die kleineren
Viele Dörfer haben ihre Kirchenburg, aber keinen festen Besuchsplan. Der Schlüssel liegt bei jemandem im Ort, dessen Nummer am Tor hängt. Das ist keine Unbequemlichkeit — das ist der eigentliche Besuch.
Mediasch als sächsische Stadt
Mediasch war nie ein Dorf, sondern eine der befestigten Städte. Der Kern ist die evangelische Margarethenkirche, gotisch, ab 1488 gebaut, mit Wehrmauer und Türmen. Der Trompeterturm daneben neigt sich um 2,28 Meter aus der Achse — er gehört zu den zwölf am stärksten geneigten Türmen der Welt.
Ein Datum, das viele überrascht: 1919 erklärten die Siebenbürger Sachsen in Mediasch ihren Anschluss an das Königreich Rumänien. Die Entscheidung, die das 20. Jahrhundert dieser Gemeinschaft prägte, fiel hier.
Nach 1990 wanderte der größte Teil der sächsischen Bevölkerung nach Deutschland aus. Was blieb, sind die Bauten — und einzelne Häuser, in denen weitergearbeitet wird.
Ein solches Haus
Das Traube am Marktplatz
Unser Haus stammt von etwa 1800: drei Flügel, Ziegelgewölbe, originaler Dachstuhl. Die Zimmermöbel wurden von Antiquitäten-Restauratoren aufgearbeitet. Die Speisekarte des Restaurants war schon 1938 dreisprachig — rumänisch, deutsch, ungarisch; heute arbeiten Rezeption und Restaurant weiterhin auf Deutsch.
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Hotel Traube Mediasch — Zimmer und Preise →
Übernachten, wo die Geschichte steht
Fünfzehn Zimmer in einem denkmalgeschützten Haus am Marktplatz von Mediasch. Frühstück inklusive, kostenlose Parkplätze, Weinkeller im Haus.
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